Digitale Gewalt gegen Frauen: Warum Schweigen die Demokratie gefährdet

Immer mehr Mädchen brechen die Schule ab, nachdem sie in Klassenchats gezielt erniedrigt wurden. Anwältinnen löschen ihre Profile in sozialen Medien, weil sie dort gezielten Verleumdungen ausgesetzt sind. Politikerinnen treten von ihren Ämtern zurück, weil anonyme Drohungen ihren Alltag prägen: Digitale geschlechtsspezifische Gewalt zeigt sich in vielfältigen Formen und hinterlässt tiefe Spuren – nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März warnt die Berichterstattungsstelle für geschlechtsspezifische Gewalt des Deutschen Instituts für Menschenrechte vor den Folgen des sogenannten Silencing-Effekts: Viele Frauen und Mädchen ziehen sich aus Angst vor digitaler Gewalt aus öffentlichen Diskussionen, sozialen Netzwerken oder politischen Positionen zurück. Ihr Schweigen hat schwerwiegende Konsequenzen für die demokratische Teilhabe.

Beate Rudolf, Direktorin des Instituts, betont, dass die Auswirkungen digitaler Gewalt weit über den virtuellen Raum hinausreichen. Wenn Frauen aus Furcht vor Angriffen im Netz ihre Stimme verlieren oder politische Verantwortung aufgeben, verarme die gesellschaftliche Debatte. Dies schwäche letztlich die Demokratie, da wichtige Perspektiven fehlen.

Digitale Gewalt gegen Frauen und Mädchen umfasst ein breites Spektrum: von Bedrohungen per E-Mail über die Verbreitung privater Bilder oder persönlicher Daten in Chats bis hin zur Überwachung durch moderne Technologien. Müserref Tanriverdi, Leiterin der Berichterstattungsstelle, weist darauf hin, dass digitale Gewalt oft eine Fortsetzung analoger Übergriffe darstellt. Neue Technologien ermöglichen Tätern dabei einen nahezu unbegrenzten Zugang zu ihren Opfern, während digitale Plattformen ständig neue Werkzeuge bereitstellen, die missbraucht werden können. Die Politik sei gefordert, umfassende rechtliche und praktische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um Frauen und Mädchen wirksam zu schützen.

Die Berichterstattungsstelle fordert eine schnelle und konsequente Umsetzung der EU-Gewaltschutzrichtlinie sowie des Gewalthilfegesetzes, in denen digitale Gewalt explizit berücksichtigt werden muss. Zudem seien verstärkte Präventionsmaßnahmen und Reformen im Strafrecht notwendig, etwa um bildbasierte sexualisierte Gewalt besser zu ahnden. Beratungsstellen und Frauenhäuser benötigen mehr Ressourcen und Fachpersonal, um auf die spezifischen Herausforderungen digitaler Gewalt reagieren zu können. Eine bessere Datengrundlage könnte helfen, das Ausmaß dieser Gewaltform sichtbarer zu machen. Verpflichtende Schulungen für Polizei und Justiz wären ein weiterer Schritt, um digitale Gewalt als ernstzunehmende Bedrohung anzuerkennen.

Hintergrund: Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt Die Bundesregierung hat das Deutsche Institut für Menschenrechte mit der Überwachung der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland beauftragt. Die Berichterstattungsstelle wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für eine vierjährige Aufbauphase finanziert. Als unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands (§ 1 DIMR-Gesetz) setzt sie sich 2026 besonders mit dem Thema geschlechtsspezifische digitale Gewalt auseinander. Nach der aktuellen Erhebung zu Ausmaß und Folgen dieser Gewalt plant die Stelle im Laufe des Jahres thematische Impulse, um politische Diskussionen anzuregen und den öffentlichen Dialog zu fördern.

Für Hintergrundgespräche und Interviews steht Müserref Tanriverdi zur Verfügung. Anfragen können an pressestelle@institut-fuer-menschenrechte.de gerichtet werden.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsches Institut für Menschenrechte/Veröffentlicht am 02.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.